Heftausgabe:
2015-04
Rubrik:
  • Travel & Tours
Überschrift:
Naturdesign im Spreewald
Vortext:

Außen wie original und innen ein Zeitgenosse, ein neues Ferienblockhaus vereint Tradition und Moderne.

Fliesstext:

In den Niederungen eines Urstromtales südöstlich von Berlin ist eine Kulturlandschaft zu finden, die mit ihren Gräben und Auenwäldern – und oftmals nur auf dem Wasser erreichbaren Ansiedlungen – ein einzigartiges Landschaftsbild bietet. Der Spreewald ist eine beliebte und exklusive Urlaubsregion. Dort hat der Niederländer Olaf van Binsbergen dieses besondere Blockhaus errichten lassen. Unter der Bezeichnung ‘Exklusives Holzhaus in Burg’ ist das Ferienhaus ‘Olaf’ in Internetportalen zu finden.

Traditionelle Baukunst

Der Spreewald ist nachweislich seit der Bronzezeit besiedelt. Man baute dort mit dem vorhandenen bodenständigen Material und den Hölzern der Kiefer, Pappel, Esche und vor allem gewässerten Erlenstämmen. Das Wässern macht das Holz besonders widerstandsfähig gegen Wurmfraß und Fäulnis. Ferner nutzte man den mit Rosshaar vermengten glazialen Lehm für den inneren Wand- und Deckenverstrich. Auch wurden damit die äußeren Fugen nach dem Verstopfen mit Moos, Hanf oder Schafswolle abgedichtet. Die Gebäudeform war rechteckig, maximal acht Meter breit und bis zu 20 Meter lang.

Hochentwickeltes Dachgewerk

Die Spreewald-Blockhäuser besitzen eine besondere Holzbautechnik. Die Außenwände und tragenden Innenwände bestehen zur Stabilisierung und für den Verbund aus Blockbalken, und nur im Giebelbereich aus Fachwerk. Die Innenverkleidung war ein Lehmverstrich oder später eine Brettschalung. Traditionell wurden die Gebäude für den Holzschutz mit Öl gestrichen, dem Ruß oder Teeröl beigemengt wurden. So erhielten sie eine bräunliche Optik.

Damals wie heute

Weil das Spreewald-Blockhaus Fachwerk und Blockbauweise kombiniert, kamen auch beide Holzbautechniken zum Einsatz. Die Blockbalken mit ihren Kreuzecken werden reihum im Wechsel  gelegt. Das Giebelfachwerk wird gedämmt, ausgefacht und beplankt.   

Der Ausbau wurde früher wie heute erst vorgenommen, wenn sich der Blockbau in Ruhe gesetzt hatte und der Schrumpfprozess abgeschlossen war. Mit dem hellem Lehm erhält man lichte Zimmer im gesamten Haus. Ganz modern wurde die Zwischendecke aus Massivholzelementen verbaut, die unterseitig mit Balken dekoriert und ebenfalls hell verputzt ist.

Fürstliches Areal

Holz und Lehm sind die wichtigsten Baustoffe beim Spreewald-Blockhaus. Auch wegen dieser vorzüglichen Materialien hatte der Bauherr seine Entscheidung zum Bau getroffen. Zudem ‘taugt’ dem Holländer die Region und sein großflächiges Grundstück. Auf dem steht seit 2014 das Vorzeigehaus wie in einem fürstlichen Park mit altem Baumbestand. Diese Lage setzt das Blockhaus auf allen Hausseiten richtig in Szene.

Spezialisten unter sich

Die Planung und Bauleitung erfolgte durch das Architekturbüro Hitzer aus Cottbus in Zusammenarbeit mit dem Zimmereibetrieb Hitzer. Beide Betriebe haben seit jahrzehnten Erfahrung mit der Realisierung von Spreewald-Blockhäusern. Dem Zimmermeister ist es zu verdanken, dass viele desolate Gebäude durch sorgfältige Rekonstruktion und nutzungsfähige Ertüchtigung vor dem Verfall oder der Vernichtung gerettet werden konnten. Die bekannten Betriebe sind angefangen von der historischen Bedeutung bis in die aktuelle Theorie und Praxis bestens spezialisiert.

Mit Zellulose gedämmt

Wie bei einem ursprünglichen Spreewald-Blockhaus ist auch das Ferienhaus ‘Olaf’ innen mit Lehm ausgebaut. Ein wichtiger Unterschied zum Original besteht darin, dass die Hohlräume zwischen Block- und Innenwand mit Zellulose ausgeblasen wurden, damit die aktuellen Anforderungen des Wärmeschutzes erfüllt werden konnten. Die 15 Zentimeter starke Kiefernblockwand hätte alleine nicht gereicht. Zum Schutz der Dämmung wurde eine hochwertige diffusionsoffene Folie eingebaut.  

Ohne Nut und Feder

Das Bauholz stammt aus regionalen Sägewerken, die es nach Maß zum Vierkant aufsägen. Die Sattelecken für den Viertelblattverbund wurden vom Zimmereibetrieb ausgeformt. Bis zwölf Meter Länge kann ein Blockbalken zwischen den Kreuzpunkten haben. Nut und Feder besitzen die Balken nicht, sie sind auf der Länge nur über Hartholzdübel miteinander stabilisiert. Die Balkenabdichtung erfolgt mithilfe von Dichtstoffen, die wie ein Betriebsgeheimnis gehütet werden. Die Balken wurden an den Kanten händisch gefast, damit sie original wirken. Das frische Holz wurde außen mit einer tönenden Holzlasur gestrichen, denn es soll ja alt aussehen.

Holzbaukunst erkennbar

Innen sieht das Ferienhaus vollkommen neuzeitlich aus: modern, hell und offen. Alle Wände sind weiß und die Räume hoch. Stellenweise stehen Ständer und Streben im Raum oder schauen aus dem weiß gestrichenen Lehmbauplatten hervor, das wirkt traditionell und gemütlich. Im Dachgeschoss sieht man Träger und Streben, die Holzbauqualität beweisen. Zwei Fledermausgauben in beiden Dachflächen sorgen für zusätzlichen Nutzraum und viel Licht. Die breiten Gauben mit ihren vielen kleinen Fenstern prägen das äußere Hausdesign erheblich.

Bilderbuch-Ansichten

Schon jetzt dürfte klar sein, dass es sich bei dem ungewöhnlichen Objekt doch um ein zeitgemäßes Mehrgenerationenhaus handelt. Eine moderne Haustechnik mit einer Tiefenwärmepumpe beheizt das 210-Quadratmeter-Haus über alle Fußböden. Das barrierefreie Parterre ist stilgerecht mit Terracottafliesen belegt, während man sich oben im Sinne des Ferienhauses mit dem pflegeleichten Linoleum begnügte. Die Ausstattung mit bodentiefen Sprossenfenstern und robusten Landhaustüren ist stilgerecht. Die weißen und gegliederten Fensterrahmen erlauben den Garten von innen wie ein Bilderbuch zu betrachten.

Ehrliches Gästebuch

Die großen und eleganten Bäder und das moderne Mobiliar des Ferienhauses tun das Übrige für einen perfekten Ferienaufenthalt. Dies bestätigen die frischen Einträge im Gästebuch des Hauses wortwörtlich. Die Zufriedenheit der Gäste kommt nicht minder von der originalen Holzkonstruktion und dem Lehmputz, altbewährt und aktuell.    BH

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Brandenburg
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